Dies & Das, Lokalsport

1. FC Kleve - ein Gastbeitrag

von Gastautor am Donnerstag, den 28. August 2008

Früher, als die Welt noch übersichtlich war, war in Kleve alles schön antipodisch strukturiert: Es gab eine Ober- und eine Unterstadt, es gab eine Schuhfabrik und ein Margarinewerk. Wer „Schüsterken” war und zu seiner proletarischen Herkunft stand, spielte beim SC 63 Kleve Fußball, das waren die „Blauen”. Die etwas besseren Kreise, die in der Fettproduktion tätig waren, tummelten sich dagegen bei den „Roten”, dem VfB 03 Kleve. Infolgedessen wurde der Verein auch einfach „de Botter” genannt. Heute existiert weder das eine noch das andere Werk, und auch die schöne zweigeteilte Fußballwelt, die früher Tausende zu den Lokalderbys ins Stadion zog, ist passé. Ein örtlicher Großunternehmer, der kaum in der Öffentlichkeit auftritt, fädelte die Fusion ein, indem er den heimlichen Herrscher der Stadt, den Sparkassenchef, in seiner bekannt wortkargen Art aufforderte, sich für einen Zusammenschluss der beiden Vereine zu engagieren: „Wie isset, machste mit?”

Er machte, und so entstand vor nunmehr acht Jahren, gefördert vom örtlichen Unternehmertum in all seinen schillernden Facetten, der 1. FC Kleve, dessen Vereinsfarben logischerweise Blau-Rot wurden. Die neue Einheit kam bei den Fans nicht sofort an (nach den Spielen gingen die Mitglieder zunächst in die jeweils angestammten Vereinsheime und nahmen dort ihre Bierchen zu sich), doch das änderte sich, wie immer im Fußball, mit dem sportlichen Erfolgen. Die stellten sich schnell ein: 2000/2001 Vizemeister Landesliga; 2001/2002 Meister Landesliga; 2002/2003 Meister Verbandsliga. Die nächsten fünf Spielzeiten war der Verein in der Oberliga Nordrhein aktiv - und stieg als Viertplatzierter Ende der vergangenen Saison in die neue Regionalliga West auf.

Hier startete das Team mit zwei Spielen, die jeweils einen bemerkenswerten Verlauf nahmen: Sowohl in Oggersheim wie auch bei der Heimpremiere vor 1650 Zuschauern gegen BVB II lag die Mannschaft jeweils 0:3 zurück, schoss dann in der ersten Partie noch zwei Tore und verlor nach Meinung aller Beobachter unglücklich 2:3. Gegen Dortmund gelang dann der Mannschaft, die seit zwei Jahren vom ehemaligen Mönchengladbacher Bundesligaprofi Arie van Lent trainiert wird, binnen acht Minuten der 3:3-Ausgleich, und es war sogar ein Sieg möglich.

Das Spiel fand statt in einem Stadion, das nach dem Hauptsponsor „Volksbank-Arena” benannt ist, aber derzeit nur den Namen mit einer Sportstätte gemein hat. Zwar wurde in der Sommerpause im Hauruckverfahren eine Tribüne errichtet, doch dahinter ist alles noch Rohbau. Doch der DFB nahm die Sportstätte ab.

Der stärkste Gegner des Vereins ist derzeit nicht einer der 17 anderen Vereine aus der Liga, sondern das Finanzamt. Mitte August durchsuchten rund hundert Steuerfahnder aus Düsseldorf Büros des Klubs und der darin aktiven Personen - an zwanzig Orten insgesamt. Sie vermuten, dass Spieler „schwarz” bezahlt wurden, zum Beispiel mit 400-Euro-Jobs, für die keine Gegenleistung erbracht werden musste.

Die Ermittlungen können sich noch Monate hinziehen, die Staatsanwaltschaft ist bereits mit im Boot, und das könnte im schlimmsten Fall bedeuten, dass Steuern, Strafzahlungen und mögliche Punktabzüge den Verein nicht nur sportlich ruinieren. Jedenfalls antwortete der Vereinsvorsitzende Uwe Dönisch-Seidel auf die Frage, ob die Zukunft des Vereins durch die Ermittlungen bedroht sei: „Da kann man noch nichts zu sagen.”

Link: www.kleveblog.de

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